Philosophisch

Unsere Einstellung zum Motorrad ist geprägt von Robert Maynard Pirsigs Buch Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten (1974). Pirsig kam 1928 in Minneapolis zur Welt und konnte sich wegen seiner außergewöhnlichen Intelligenz bereits mit vierzehn Jahren an der Universität von Minnesota immatrikulieren, um Biochemie zu studieren. Drei Jahre später wurde er wegen schlechter Noten der Universität verwiesen. Hierauf wanderte er einige Zeit mit dem Rucksack durch Montana, trat in die Armee ein und wurde nach Korea versetzt. 1949 begann er an seiner heimischen Universität ein Philosophiestudium.

 

1953 bis 1956 verfasste Pirsig technische Handbücher, dann studierte er Journalismus und erhielt eine Anstellung als Lehrer für Rhetorik in Bozeman an der Montana State University im Herzen der Rocky Mountains. Ende 1961erkrankte er, wurde als schizophren diagnostiziert und mit traumatisierenden Elektroschocks behandelt. Zum Glück stabilisierte er sich wieder und konnte im Sommer 1968 zusammen mit seinem Sohn Chris und zwei Freunden eine Motorradreise unternehmen. Seine Maschine war eine zweizylindrige Honda CB 77 („Superhawk“), mit der er nach Bozeman fuhr, wo das Verhängnis - seine obsessive Suche nach der Qualität und seine Psychose – seinen Ausgang genommen hatte. Die Motorradtour ermöglichte es ihm, seine Traumata zu überwinden. In den Jahren danach verarbeitet er seine Erlebnisse in seinem ersten Buch „Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten“.

 

"Man gehe nur durch ein ausgesprochenes Industriegebiet in einer Großstadt, da hat man sie überall vor sich, die Technik. Als erstes sieht man auf hohe Stacheldrahtzäune, verschlossene Tore, Schilder mit einer Aufschrift wie 'BETRETEN VERBOREN' (...). Die ganze Technik hat einen zum Fremden im eigenen Land gemacht. Ihre bloße Gestalt, ihr Aussehen, ihre Rätselhaf-tigkeit besagen: 'Raus hier'. Man weiß, dass es irgendwo eine Erklärung für all das gibt und dass es ohne Zweifel auf irgendeine indirekte Art der Menschheit dient, aber das sieht man nicht. (...) So kommt es, dass man schließlich Feindseligkeit empfindet (...). Alles, was mit Ventilen und Wellen und Schraubenschlüsseln zu tun hat, ist ein Teil dieser den Menschen entfremdeten Welt, an die sie am liebsten gar nicht denken. (...) Sie glauben, dass die Technik eine Menge mit den Kräften zu tun hat, die Massenmenschen aus ihnen machen wollen, und sie mögen sie nicht. Einstweilen ist es meist noch passiver Widerstand, Flucht aufs Land sooft es geht und dergleichen, aber es ist nicht gesagt, dass er immer so passiv bleibt. Ich bin nicht ihrer Meinung, was die Motorradwartung angeht, aber nicht, weil ich kein Verständnis für ihre Einstellung zur Technik hätte. Ich meine nur, dass ihre Flucht vor der Technik, ihr Hass auf sie, selbstzerstörerisch ist. Der Buddha, die Gottheit, wohnt in den Schaltungen eines Digitalrechners oder den Zahnrädern eines Motorradgetriebes genauso bequem wie auf einem Berggipfel oder im Kelch einer Blüte. Wer das nicht wahrhaben will, erniedrigt den Buddha - und damit sich selbst." (Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten, Frankfurt am Main 1976, S. 25/26)

 

Dies ist übrigens eine der ganz wenigen Stellen, in denen von Zen die Rede ist, denn es handelt sich bei Pirsigs Buch um keine esoterische Lektüre, sondern darum, wie sich der Mensch ins rechte Verhältnis zu seiner technischen Existenz zu setzen vermag.